Bericht der Senegalreise von Ende Oktober bis Mitte November 2019

Ursula Jung, Rita und Annika Kühle

Bereits ab der ersten Nacht konnten wir nicht wirklich gut schlafen, da es für uns unerträglich heiß war. Tagsüber lagen die Temperaturen bei ca. 40° Grad und nachts kühlte es nur auf ca. 30° Grad ab. Auch mussten wir uns erst an die neuen Umstände und Veränderungen in unserem Haus auf der Tripano in MBour gewöhnen.

Unsere langjährige Freundin und Mitarbeiterin Maimouna ist im September an den Folgen einer Totgeburt verstorben. Leider ist eine regelmäßige medizinische Versorgung oder Nachsorge für die Senegalesen sehr teuer und deshalb gehen viele Frauen erst zum Arzt, wenn es zu spät ist.

Unser Mitarbeiter Mamadou arbeitet seit Januar bei einer ONG Grandmotherprojekt  in der Casamance und konnte uns deshalb nicht wie sonst unterstützen. Auch konnte unsere Freundin Elli Senol aus privaten Gründen, nicht dabei sein. Sie kennt, aufgrund ihrer vielen Einsätze im Senegal, die Menschen dort gut und ist durch ihre Sprachkenntnisse immer eine große Hilfe und Ansprechpartnerin für viele Menschen vor Ort.

Unsere Hauptaufgabe im Senegal ist natürlich die Betreuung unserer 118 Patenkinder. Gerade durch die Veränderungen der Mitarbeiter vor Ort mussten wir einiges neu regeln. Jedes Kind (bei Behinderten die Eltern), schreibt einen Brief an die Pateneltern und wir machen ein Foto dazu und falls die Kinder in die Schule gehen, ein aktuelles Zeugnis. Wir können natürlich nicht alle Kinder selbst besuchen, versuchen aber möglichst viele zu erreichen und uns von der Bedürftigkeit der Patenschaft zu überzeugen.

Aber noch etwas war dieses Jahr neu. Wir hatten in der ersten Woche die Gesellschaft zweier junger Männer aus Deutschland, Leon und Robert, die sich für den Senegal, ihre Menschen und das Leben dort interessierten. Robert blieb noch die zweite Woche bei uns. Er ist im dritten Lehrjahr Schreiner und hat sich für die Schreinerei des Senegalhilfe Vereins (SHV) interessiert. Dort hat er mit dem Schreiner Amadou Kinderspieltische für drei Kindergärten gebaut. Auch hat er für einen jungen, behinderten Mann, der auf dem Markt auf einem kleinen, sehr wackeligen Tisch mit einer viel zu schmalen Bank Schuhe repariert und verkauft, einen neuen Verkaufstisch und eine Bank gebaut. Der Junge war darüber sehr glücklich. Die anderen Verkäufer haben sich sehr mit ihm gefreut und wir hatten das Gefühl, dass sie ihm dies wirklich von ganzem Herzen gegönnt haben.

Da es sich sehr schnell herumgesprochen hatte, dass wir wieder da sind, standen bereits am ersten Tag Menschen mit Bittbriefen vor unserer Tür. Durch das Fehlen von Elli und Mamadou war die Verständigung während dieses Aufenthalts leider etwas schwierig. Dennoch konnten wir die Menschen mit Rezepten für die Apotheke und der Bitte um Reis zu unserer Krankenschwester Coumba im Zentrum schicken. Coumba verteilt dort den Reis, den wir ihr für die Bedürftigen kaufen und hört sich ihre gesundheitlichen Probleme an. Notwendige Medikamente kauft sie in der Apotheke, bei schwierigeren Fällen zieht sie uns dazu, weil wir prüfen und entscheiden müssen, ob wir dazu die notwendigen finanziellen Mittel haben.

An einem Morgen kam unser Chauffeur Sene sehr müde zu uns zum Frühstück. Wir fragten ihn was los sei, und er antwortete uns, dass er die ganze Nacht nicht schlafen konnte. Das Strohhaus seines Nachbarn wurde von einem Verrückten angezündet und ist total abgebrannt. Es handelte sich um drei kleine Strohhütten und diese sind mit dem gesamten Hab und Gut verbrannt. Noch am selben Tag sind wir bei der Familie vorbeigefahren und haben uns die Katastrophe angeschaut. Es war wirklich schrecklich. Wir haben sofort mit einem Carepaket (1 Sack Reis, 5l Öl und ein Bund Seife) und mit gespendeter und mitgebrachter Kleidung aus Deutschland geholfen. Die Familie hat 5 Kinder, darunter ein Baby von 1 Monat.

Eine Freundin von Rita spendete für die Familie das Geld für ein neues Zimmer aus Steinen mit einem Wellblechdach in dem die Familie wieder wohnen kann. Der Bau des Zimmers wurde durch unseren Chauffeur Sene überwacht und ist inzwischen fertig gestellt und die Familie hat wieder ein Zuhause.

Im Dorf unseres Patenkindes Mariama haben wir ein Baby gesehen, das ganz seltsam im Gesicht aussah. Auf Nachfrage wurde uns gesagt, dass das Baby krank sei, aber die Familie die Medikamente nicht bezahlen kann. Wir haben sie mit den Rezepten für den nächsten Tag zu Coumba ins Zentrum bestellt. Coumba sagte uns dann, dass das Baby an Syphilis leidet. Wir haben Coumba Geld für die weitere Behandlung in den nächsten 6 Monaten dagelassen.

 

Des Weiteren haben wird eine Augenoperation, Miet- und Stromschulden, Studiengebühren, Schulgeld und Schulmaterial, Matratzen, Fischernetze, eine Gefriertruhe zur Existenzgründung eines kleinen Verkaufsstandes, eine Nähmaschine und vieles mehr mit Spenden, die uns für diese Zwecke zur Verfügung gestellt wurden, bezahlt.

Außerdem haben wir die Reparatur zweier Charettes (Karren), eines Rollstuhls eines Leprakranken und eines undichten Daches übernommen. Für besonders Bedürftige haben wir noch Carepakete gekauft.

Bei allen unseren Besuchen lassen wir von den Schneidern im Behindertenzentrum Kleider, Taschen, Beutel, Kinderkleider und vieles mehr nähen, die wir dann in Deutschland auf verschiedenen Märkten verkaufen. Die Schneider bilden behinderte junge Menschen aus und freuen sich immer sehr, wenn wir kommen und sie so Arbeit haben und etwas verdienen können. Einige weitere Produkte, z.B. Holztiere und Körbe kaufen wir auf den Märkten noch dazu.

Es ist für uns immer sehr schwer und auch belastend, unter den vielen Bittbriefen die Briefe der Ärmsten auszuwählen, denen wir helfen können, denn für alle reicht unser Budget leider nie.

Um wieder Kraft zu tanken, fahren wir manchmal sonntags in das Kloster in Keur Guilaye. Dort nehmen wir an der Messe teil und essen anschließend zu Mittag. Im Anschluss an das Essen laden uns die Schwestern immer zu einem kurzen Treffen ein. Dies ist etwas ganz Besonderes und wir schätzen dieses Privileg sehr. Die Schwestern sind immer sehr an uns und unserer Arbeit interessiert und schließen uns und auch Sie, liebe Spender, in ihre Gebete ein.

 

Wir danken allen Spendern für ihre Zuwendungen und ihr Vertrauen, dass wir sorgsam und in ihrem Sinne mit den uns überlassenen Geldern umgehen. Denn ohne sie könnten wir nicht so vielen Leuten helfen. Wir hoffen, dass wir Menschen im Senegal durch unsere Hilfe  und mit unserem Verständnis und Mitgefühl ein paar Sorgen nehmen konnten.

 

Annika und Rita Kühle, Ursula Jung

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