Trippstadt im Juli
2010
Liebe Freundinnen, liebe
Freunde,
über 200 Freunde haben mit
uns am 24.April in Kaiserslautern das 25jährige Bestehen des
Senegalhilfe-Vereins gefeiert. Viele haben übereinstimmend gesagt: es war ein
schönes Fest mit interessanten Informationen und mit nachhaltigen Impulsen für
die weitere Arbeit in Senegal. Dazu hat ganz besonders Prof. Dr. Wolfgang
Huber, der ehemalige Berliner Bischof und frühere Ratsvorsitzende der EKD, mit
seinem Festvortrag beigetragen. Kompetent in der Sache und menschlich fröhlich
in seiner Art hat er Mut gemacht, mit unseren Projekten auch in Zukunft für
die Entwicklung Senegals zu arbeiten. Was wäre aber unser Fest ohne die
senegalesischen Freunde und Gäste gewesen! Botschafter Cheikh Sylla aus Berlin
hat in seiner Rede das Wirken des Senegalhilfe-Vereins in seinem Land mit
anerkennenden Worten gewürdigt, zur Überraschung seiner Zuhörer in deutscher
Sprache. Große Beachtung fanden auch die Ansprachen der beiden Mitarbeiter,
mit denen wir schon lange verbunden sind: Mamadou Fall, Direktor des
Behindertenzentrums in Mbour und Mbaye Ly, Direktor des Landwirtschaftlichen
Ausbildungszentrums Sandiara. Ein ehemaliger Schüler von Sandiara, Saliou Sene,
der von Rudi Götz privat eingeladen wurde, hat seine Stimme mit der Tam-Tam
erklingen lassen. Beim Abendessen und danach gab es viele Gespräche mit
unseren Gästen.
Nur wenige Tage
später habe ich mit Ute Keller, Bernd Rücker und Karlheinz Beck erneut die
Reise nach Senegal angetreten. Bei dem traditionellen Mitarbeitertreffen, bei
dem alle großen Projekte des Senegalhilfe-Vereins vertreten sind und über ihre
Arbeit berichten, zeigte sich, wie stark Solidarität und Verantwortungsgefühl
über das eigene Projekt hinaus geworden sind. Besonders beeindruckend fand ich
die Frage, die unsere senegalesischen Freunde selbst in die Diskussion
brachten, wie es denn in Zukunft mit der Arbeit weitergehen könne. Sie
richteten die Frage nicht an den
Senegalhilfe-Verein,
sondern verbanden damit die Aufforderung an die Verantwortlichen in den
Projekten, sich für eine selbstständige Entwicklung ihrer Arbeit einzusetzen.
Wir waren glücklich, weil wir darin eine neue Denkrichtung sehen, die ja auch
unserer Zielrichtung entspricht, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.
Erfreulich ist auch
die Entwicklung der von uns gebauten und betreuten Kindergärten. Hier wird
eine fruchtbare und pädagogische Arbeit geleistet, die der Bildung der Kinder
dient und damit wichtige Grundlagen für die zukünftige Überwindung von Hunger
und Armut legt. Zum ersten Mal hat Aladin Diouf, der Leiter der Vorschule in
Guityr, an unserem Mitarbeitertreffen teilgenommen. Er ist sehr interessiert
an dem Erfahrungsaustausch mit den Kolleginnen und Kollegen und berichtet
begeistert von seinem schönen Kindergarten in Guityr und den so zweckmäßig
ausgestatteten Räumen.
Die Vorschule in
Ndianda, die vor 5 Jahren eingeweiht wurde, hat sich inzwischen gut
entwickelt. Der Leiter ist pädagogisch besonders tüchtig und darüber hinaus
sehr engagiert. So kümmert er sich um notwendige Malerarbeiten und gewinnt
dazu einige Väter. Schließlich hat er eine außergewöhnliche Idee. Er möchte
auf dem großen Terrain der Vorschule einen Hühnerstall für 150 Hühner
errichten, die er dann zum Verkauf anbietet. Der Erlös soll der Küche zu Gute
kommen, die zwei Mal pro Woche für die Kinder ein Essen zubereitet. Nach
reiflicher Überlegung haben wir die für den Aufbau einer Hühnerfarm
notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt. Auch zahlenmäßig hat sich diese
Vorschule enorm entwickelt. Die drei Gruppenräume sind bereits überfüllt. Auf
längere Sicht wird der Bau weiterer Räume auf uns zu kommen.
Der Kindergarten in
Gania-Bouggou, dessen Sanierung und Ausstattung der
Senegalhilfe-Verein
übernommen hat, macht nur kleine Fortschritte. Vor allem fehlt es an einer
ausreichenden finanziellen Unterstützung durch die Eltern. Lala, die
Kindergartenleiterin, hat sich gut in ihre Aufgaben eingefunden. Die
nebenberufliche Ausbildung hat in ihr erstaunliche Talente geweckt, die sie
pädagogisch umsetzen kann und sie befähigen, zur Sauberkeit und zur Ordnung zu
erziehen. Wir werden auch weiterhin mit Rat und Tat an ihrer Seite bleiben.
Im Flüchtlingsdorf
Louly-Ndia stehen wir vor der Erweiterung der Schule, die im Rahmen eines
sechsklassigen Schulsystems erforderlich ist. Da der Staat bereit ist, eine
zusätzliche Lehrerstelle zu schaffen, steht dem Baubeginn nichts mehr im Wege.
Gleichzeitig müssen die vorhandenen Gebäude, zum Teil sehr umfangreich,
renoviert werden. Dazu gehören auch die Lehrerwohnungen, die jeweils an die
Klassengebäude angebaut sind. Die Schule in Louly-Ndia hat einen guten Ruf.
Deshalb sind wir gerne bereit, uns mit unseren Mitteln zu engagieren.
Während unseres
Aufenthaltes haben wir mehrere Male das Landwirtschaftliche Ausbildungszentrum
in Sandiara besucht. Wir freuen uns, wenn wir unmittelbar vor Ort den
Gemüseanbau, die Bullenmast und die Geflügelhaltung mit Hühnern, Puten und
Perlhühnern beobachten können. Wir freuen uns auch, dass die 1000 Legehühner
mit der Eierproduktion begonnen haben. Ebenso interessiert uns, die Schüler
bei der Arbeit zu sehen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Noch spannender
ist die Frage, was aus den ehemaligen Schülern geworden ist, wenn sie nach der
9monatigen Ausbildung wieder in die heimische Landwirtschaft zurückgekehrt
sind. Deshalb fahren wir immer wieder in die weit abgelegenen Gehöfte, um mit
eigenen Augen zu sehen, wie die Entwicklung weitergegangen ist. So waren wir
auch diese Mal wieder im Busch unterwegs und haben bei großer Hitze fünf
Ehemalige besucht. Überall sind uns strahlende Gesichter begegnet. Aus zwei
Bullen, die sie als Kleinprojekt bekamen, sind vier oder fünf Bullen geworden.
Man spürt es: es geht aufwärts und es macht wieder Sinn in der Landwirtschaft
zu bleiben. Zu diesen Erfolgen tragen sicher auch die guten Kontakte bei, die
zwischen den ehemaligen Schülern und ihren ehemaligen Lehrern bestehen. Mit
guten Gefühlen fahren wir wieder zurück durch eine karge, harte und doch so
schöne Landschaft.
Neben allen
praktischen Aufgaben in und mit den Projekten müssen wir auch die Zukunft
planen. Deshalb haben wir vor einigen Jahren den senegalesischen Partnerverein
„Hilfe für Senegal“ gegründet. Er macht vor allen Dingen Vorschläge für die
Verwendung der Erträgnisse der Senegalhilfe-Stiftung und berät mit uns die
weitere Entwicklung der Projekte. Auch diese Mal haben wir wieder eine
gemeinsame Vorstandssitzung gehabt. Unter dem Vorsitz von General Keita, dem
ehemaligen Botschafter in Bonn, hat der Verein neue Initiativen ergriffen, vor
allem die größeren Projekte kennen zu lernen, dieses Mal die neue Vorschule in
Guityr und das Landwirtschaftliche Ausbildungszentrum Sandiara.
Zum Schluss bitte
ich Sie auch weiterhin um Ihre Unterstützung unserer Arbeit in Senegal. Ohne
Ihre Hilfe kann nichts gelingen! Ich wünsche Ihnen eine schöne Sommerzeit –
und vielleicht sehen wir uns ja am 30. September bei dem Benefizkonzert mit
Professor Robert Leonardy in Kaiserslautern.
Mit freundlichen
Grüßen