Trippstadt, im November 2018

Liebe Freundinnen, liebe Freunde,

im Mittelpunkt der Rundbriefe und Berichte, die ich geschrieben habe, stehen immer wieder die großen Projekte unserer Arbeit. Ich lasse Sie gerne teilhaben an den Entwicklungen in den Behindertenzentren, am Flüchtlingsdorf Louly-Ndia, oder an dem landwirtschaftlichen Ausbildungs-zentrum Sandiara und der Förderung seiner ehemaligen Schülerinnen und Schüler. Heute möchte ich erinnern an zwei kleine Projekte in Djilor, die Renovierung der Schule und die nachhaltige Wasser-versorgung des Ortes. Beide sind abgeschlossen und erfüllen ihren Zweck. Dennoch kommen wir auf unseren Besichtigungsfahrten in das Sine-Saloum-Delta immer noch gerne nach Djilor. Nach und nach entdecken wir dabei die Spuren des großen Staatsmannes und Poeten Léopold Sédar Senghor. Wie oft sind wir an seinem Geburtshaus in Joal vorbeigefahren, das ganz versteckt an der Hauptstraße liegt, in dem ein kleines Museum eingerichtet wurde. Und ebenso oft haben wir dem Wohnsitz der Familie in Djilor nachgeträumt. Einer unserer Freunde erläuterte uns immer wieder anschaulich Senghors Geschichte. Léopold Sédar Senghor wurde am 9. Oktober 1906 in der Küstenoase von Joal, 118 km südlich von Dakar, geboren. Das kleine Städtchen am Atlantik wurde im 16. Jahrhundert von portugiesischen Seefahren gegründet. Alles was Senghor als kleiner Junge hier sah und erlebte, hat er später in seinen Geschichten beschrieben: die Häuser, dunkle Veranden, Arkaden und Gänge, schwarzhäutige Frauen in bunten Bou-Bou und die Melodien aus Wind und Wellenschlag, aus dem Geräusch der Zikaden und dem fernen Tam-Tam. Dahinter entsteht immer wieder das Bild der Mutter aus dem Stamm der Peul, jener Hirten und Nomaden, die von hier bis nach Nigeria zogen. Diese dem Matriarchat verbundene Frau lehrte ihren kleinen Sohn, dass das Nicht-weinen-können unmenschlich sei. Als Zeichen ihrer Liebe, so sagt man, habe sie den Sohn, wenn er später in das Land der Väter kam, immer tanzend begrüßt. Senghors Vater, Blaise Diogoye, war ein reicher Kaufmann aus dem Stamm der Serer, der mit Erdnüssen, Reis und Hirse handelt. In Joal, Sitz einer Großfamilie mit 25 Kindern, Onkeln, Tanten, Vettern und Cousinen hat er seinen zweiten Wohnsitz. Seine Vorfahren stammten wohl aus altem afrikanischem Adel. Auch Koumba Ndofen, der letzte König des Sem-Reiches Sine, war ein Freund seines Vaters. Den größten Teil seiner früheren Jugend verbringt Senghor nicht in Joal, sondern 23 Kilometer entfernt am Fluss Sine in Djilor. Dort hat die Familie einen hübschen Besitz. Vor dem Haus liegt der Platz mit dem Wollbaum, an dem sich die Alten zum Palaver versammeln. In der Nähe wohnte Joko Waly, ein Bruder der Mutter, ein alter Bauer und Hirte. Er kennt alle Bäume und Blumen, Kräuter und Steine, aber auch alle Märchen und Ahnenkulturen, alle Tänze und Lieder. Sicher haben diese Erinnerungen Senghor ein Leben lang begleitet. Mit sieben Jahren wird er auf die Schule der katholischen Mission in Joal geschickt. Pater Léon Dubois lehrt ihn den Katechismus und die ersten französischen Worte. Mit acht Jahren kommt er in das Seminar der Väter von Hl. Geist in N'Gasobil. Dort wird den Schülern aufgetragen: "Seid Neger mit den Negern, um sie für Jesus Christus zu gewinnen." Sie sollten mit der Natur des schwarzen Kontinents in einer durchaus modernen Lehranstalt leben, die keine Mauern und keine verschlossenen Tore kennt. Gleichwertig stand neben der geistigen die körperliche Erziehung, neben der Naturwissenschaft die Landwirtschaft. Diese Schule hat auf Senghor einen so großen Eindruck gemacht, dass er katholischer Priester werden will. Mit 16 Jahren führt ihn der Weg in das Collège Libermann in Dakar. Dort hat Senghor ein zukunftsweisendes Erlebnis. Pater Lalouse fordert mit seiner Behauptung, die Afrikaner seien rückständig und hätten keine Kulturen, den Widerspruch des selbstbewussten Schülers heraus. Senghor widersprach ihm heftig, auch die Afrikaner hätten eine Tradition. Dieser Widerspruch hatte Folgen: Senghor konnte nicht Priester werden. Rückblickend meint er jedoch, dass der strenge Pater, der den Afrikaner Geschwätzigkeit, Disziplinlosigkeit und die Unfähigkeit zum Denken vorwarf, eines erreicht habe. Er habe in ihm alle Anstrengungen geweckt, methodisch zu denken und vorauszuplanen. Dank seines Lamentierens erzog er ihn zur Ehrfurcht vor dem Wort und zur Fähigkeit, es sinnvoll und sparsam zu gebrauchen. Senghor verlässt also das Collège Liber-mann und schließt 1927 mit dem Abitur ab. Ein Stipendium ermöglicht ihm das Studium an der Sorbonne in Paris. Mit der wissenschaftlichen Arbeit verbindet sich das politische und dichterische Engagement. 1935 verlässt Senghor als erster afrikanischer Absolvent die Sorbonne, kehrt für kurze Zeit nach Djilor und an die Küste von Joal zurück, um dort sein großes Ziel, die senegalesische Unabhängigkeit, laut und deutlich anzukünden. 1960 wurde Senghor erster Präsident. Nun aber am Ende des Rundbriefes doch noch ein aktuelles Anliegen. Ein kleines Mädchen in Mbour ist schwer herzkrank und braucht dringend für eine Herzoperation unsere Hilfe. Die Mutter des Kindes hat sich in ihrer Not an Cordula Maier und Elli Trapp Jörg gewendet. Die Herzoperation soll mit Hilfe von Freunden aus Wetzlar in Deutschland ausgeführt werden. Wir hoffen, dass wir einen Teil der notwendigen Finanzierung aufbringen können. Ich danke ihnen von ganzem Herzen für die Unterstützung unserer Arbeit in Senegal und wünsche Ihnen und Ihren Angehörigen Gottes Segen für die Adventszeit, die Festtage und das neue Jahr.

Ihre

 

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