Quelle: Verlag: DIE RHEINPFALZ Publikation: Pfälzische Volkszeitung Ausgabe: Nr.96 Montag, den 26. April 2010

Bildung als Mittel gegen Armut

Früherer EKD-Ratsvorsitzender Wolfgang Huber würdigt Einsatz des Senegalhilfe-Vereins als beispielhaft


Als beispielhaft hat Bischof i.R. Wolfgang Huber, ehemaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), die Arbeit des Senegalhilfe-Vereins bezeichnet.

Bei einer Festveranstaltung zum 25. Jubiläum des Vereins im Protestantischen Gemeindezentrum Alte Eintracht sagte er am Samstagabend in seinem Festvortrag über die Zukunft der Menschen in Afrika: „Bildung ist das entscheidende Mittel, Menschen vor der Armut zu bewahren. Bildung, Ausbildung und Existenzsicherung sind grundlegende Hilfen zur Selbsthilfe. In diese Hilfen auch Behinderte mit einzuschließen, berührt den Nerv des Armutsproblems." Der Senegalhilfe-Verein lasse Menschen in Afrika diese Hilfen seit 25 Jahren zukommen, würdigte Huber den Einsatz der Mitglieder zur Bekämpfung der Armut in der Dritten Welt.

Die Vorsitzende Doris Racké habe Anfang der 80er Jahre als Touristin an der Atlantikküste Westafrikas hinter die Kulissen geschaut und die Armut in einem Lepradorf gesehen. Mit Freunden habe sie beschlossen, den Menschen zu helfen. Ihre Arbeit verglich Huber mit der Hilfe des barmherzigen Samariters aus dem Lukas-Evangelium. Die Solidarität des Senegalhilfe-Vereins trage zu einer nachhaltigen Entwicklung des afrikanischen Landes bei, so der frühere EKD-Ratsvorsitzende.

Vor zahlreichen Gästen, unter ihnen M. Cheikh Sylla, der Botschafter der Republik Senegal in Berlin, senegalesische Mitarbeiter der Hilfsprojekte, Kirchenpräsident Christian Schad und Oberbürgermeister Klaus Weichel, erinnerte Doris Racké in der bis auf den letzten Platz besetzten Kleinen Kirche an die Anfänge und die Entwicklung des Vereins (wir berichteten).

Die große Solidarität der Mitglieder und Freunde zeige sich neben der Realisierung von 140 Projekten unter anderem in der Senegal-Stiftung, deren Stiftungskapital sich auf 935.000 Euro belaufe. „Wir wollen uns heute ermutigen lassen, einen Weg in die Zukunft zu gehen. Wir sind bereit, uns neuen Herausforderungen zu stellen, so weit es unsere Ressourcen zulassen", sagte die Vorsitzende.

Botschafter Sylla meinte, jeder Senegalese würde sich freuen, heute hier bei der Feierstunde unter echten Freunden zu sein. „Der Senegalhilfe-Verein leistet einen beachtlichen Beitrag zum Wohl meiner Landsleute", betonte der Botschafter. Die Betätigungsfelder wie Erziehung, Bildung, Ausbildung, Gesundheit und Landwirtschaft seien wichtige Sektoren für die Entwicklung des Senegals. Auch wenn Trippstadt, der Ursprung des Vereins, weit von Afrika entfernt liege, habe die Saat, die Doris Racké gelegt habe, reiche Früchte getragen. „Sie haben mit dazu beigetragen, Menschen aus Armut und Resignation zu holen", dankte Sylla im Namen der senegalesischen Behörden.

Ein Höhepunkt der Feier war die Eintragung des Botschafters in das Goldene Buch der Stadt Kaiserslautern. Es war vor dem Altar der Kleinen Kirche aufgeschlagen. Zuvor knüpfte Oberbürgermeister Klaus Weichel an die Hilfen für sozial Benachteiligte in Kaiserslautern an und hob hervor, dass er den Weg, den sein Vorgänger Bernhard Deubig mit der sozialen Stadt beschritten habe, fortsetze. „Wir sind auf dem Weg, eine barrierefreie und familien- und seniorenfreundliche Stadt zu werden, ein gutes Stück voran gekommen. Unsere sozialen Netze sind eng geknüpft. Den Weg wollen wir auch in Zukunft gehen", betonte er. Der Senegalhilfe-Verein habe es verstanden, den Bogen von Kaiserslautern aus weiter zu spannen und nachhaltige Hilfen in einem afrikanischen Land zu leisten. „Das ist ein Prinzip, das Respekt und Würde der Ärmsten beachtet." Sie können nach einem Vierteljahrhundert eine stolze Bilanz vorweisen. „Chapeau vor dieser Leistung!" Den Eintrag von Sylla ins Goldene Buch der Stadt, der zweite eines senegalesischen Botschafters, bezeichnete Weichel als eine Auszeichnung für Kaiserslautern.

In mehreren Grußworten, darunter auch Kirchenpräsident Christian Schad, wurde dem Verein eine erfolgreiche und bewundernswerte Arbeit auf der Grundlage eines christlichen Menschenbilds bescheinigt.

Mit Kammermusik aus der Barockzeit setzte ein Ensemble, dem unter anderem der frühere Kirchenpräsident Eberhard Cherdron (Viola da gamba) angehört, festlich klingende Akzente. Es schloss sich ein gemeinsames Abendessen im Großen Saal der Alten Eintracht an. (jsw)

 

 

Quelle: Verlag: DIE RHEINPFALZ  Publikation: Pfälzische Volkszeitung Ausgabe: Nr.93 Datum: Donnerstag, den 22. April 2010

 

Wir leisten „Hilfe zur Selbsthilfe"                            

 

Interview: Vorsitzende Doris Racké über die Arbeit des Senegalhilfe-Vereins

Der Senegalhilfe-Verein besteht seit 25 Jahren. Das Jubiläum wird am Samstag, 24. April, 17 Uhr, im Protestantischen Gemeindezentrum Alte Eintracht mit einer Festveranstaltung begangen. Sie steht unter dem Thema „Menschen in Afrika eine Zukunft geben". Zu den Gästen gehören unter anderem M. Cheikh Sylla, der Botschafter der Republik Senegal in Berlin, Bischof i.R. Professor Wolfgang Huber, ehemaliger Ratsvorsitzender der EKD, und Kirchenpräsident Christian Schad. Über die Arbeit und die Entwicklung des Vereins sprach unser Mitarbeiter Joachim Schwitalla mit der Vorsitzenden Doris Racké.

Was hat der Senegalhilfe-Verein in 25 Jahren bewirkt?

Bis heute hat der Verein über 120 Projekte initiiert. Wichtig war uns von Anfang an, die Hilfen mit den Menschen vor Ort zu entwickeln. Zu unseren Vorstellungen gehört es auch, nach Übergabe der Projekte mit den Menschen in Senegal partnerschaftlich verbunden zu bleiben. Damit haben wir auf beiden Seiten einen Lernprozess in Gang gesetzt.

Wie hat sich der Verein in dieser Zeit entwickelt?

Mit dem Verein haben wir eine Rechtsgrundlage geschaffen. Daneben hat sich im Laufe der Jahre ein großer Freundeskreis entwickelt. Dazu zählen wir rund 2300 Menschen, die unsere Arbeit durch Spenden nachhaltig unterstützen und durch unsere Rundbriefe über die Entwicklungen in Senegal informiert werden. Daraus sind viele persönliche Kontakte entstanden.

Wie konnten Sie den Menschen in Senegal helfen?

Es waren die vielen kleinen und manchmal auch größeren Spenden, mit denen wir unsere Projekte planen und durchführen konnten. Dies setzte voraus, dass wir regelmäßig über unsere Arbeit in Senegal informierten. Von Anfang an haben wir nach jedem Arbeitsaufenthalt in einem Rundbrief berichtet und wieder um Spenden gebeten. Daneben haben wir uns an Hungermärschen beteiligt, die mit Informationen über unsere Arbeit verbunden waren. Bald wurde ich auch von Kirchengemeinden, Schulen und Kindergärten gebeten, mit Dias über unsere Arbeit zu berichten. Sehr dankbar sind wir über das Spendenaufkommen. In den letzten fünf Jahren kamen 900.825 Euro zusammen. Mit den Eigenmitteln konnten wir für bestimmte Projekte Zuschüsse des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, der Aktion „Brot für die Welt" und anderen Organisationen erhalten.

Was wurde mit der Unterstützung in all den Jahren erreicht?

Begonnen haben wir mit humanitärer Hilfe. Wir haben Medikamente und medizinische Hilfsmittel zur Verfügung gestellt und die Verbindung zu einem Lepradorf aufgenommen. Wir mussten erkennen, dass sich unsere Hilfe nicht auf einmalige Aktivitäten beschränken kann. Wir begannen, „Hilfe zur Selbsthilfe" zu leisten. Mit einer jungen, selbst schwer behinderten und sozial engagierten Frau bauten wird das erste Behindertenzentrum in der Stadt Mbour. Zwei weitere folgten in den Städten Thiès und Tivaouane. Ihnen angegliedert wurden handwerkliche Ausbildungsstätten, Kindergärten, Hauswirtschaftsklassen, ambulante Krankenstationen und in einem Fall eine orthopädische Abteilung mit ärztlicher Versorgung und Herstellung von technischen Hilfsmitteln. Auf dem Bildungssektor entstanden Schulen und Kindergärten. Ein ganzes Dorf für Flüchtlinge aus Mauretanien wurde gebaut. Ein landwirtschaftliches Ausbildungszentrum soll junge Menschen befähigen, in den kleinbäuerlichen Strukturen gewinnbringend zu arbeiten.

Wie schätzen Sie die Zukunft der Menschen in Afrika ein?

Meine Erfahrungen in Senegal zeigen, dass Fortschritte im Bildungsbereich, in der wirtschaftlichen Entwicklung und damit auch in der Armutsbekämpfung möglich sind und auch stattfinden. Entscheidend wird es darauf ankommen, ob die reichen Länder die Globalisierung auch zu Gunsten der afrikanischen und anderer armer Länder anwenden. (jsw)